Schattenwelten

Buchtipp des Monats

„Wieso riecht es nach Blumen?
Es riecht nach Blumen, weil vor der Toten ein großer Strauß auf dem Boden liegt, gepflückt in der Wiese, an deren Rand der Schuppen steht. Das Mädchen trägt ein knielanges Kleid mit kurzen Puffärmeln; der weiße, weich fließende Stoff ist über und über mit Sonnen, Sternen und Monden bedeckt. Der Junge denkt daran, das Mädchen zu berühren, er stellt sich vor, es aus dem Seil zu befreien und auf den staubigen Bretterboden zu legen. Aber er bleibt in sicherem Abstand stehen und betrachtet die Monde auf den Kleidern, die Sterne und die Sonne; es wird mich, redet er sich ein, beruhigen.“

Gregors Zwillingsschwester wurde vor 22 Jahren in der Schweiz entführt; ihn ließen die Täter laufen. Die Hoffnung, sie jemals lebend wiederzusehen, hat er fast aufgegeben. Im Irland-Urlaub, den er mit seiner Freundin Charlotte und deren Tochter Cloe macht, trifft Gregor unerwartet auf die Entführer von damals: Die Frau mit dem Feuermal im Gesicht und den Mann mit den Biberzähnen. Auch die Entführer haben ihn wiedererkannt. Dann verschwindet Cloe aus dem Schwimmband; und der Alptraum kehrt zurück.

Schon damals war klar: Ruth, die Frau mit dem Feuermal, und Karl, der Mann mit den Biberzähnen, haben nicht nur Gregors Schwester entführt. Sie sind Teil einer kriminellen Vereinigung, die in Europa kleine Kinder in ihre Gewalt bringen, sie verkaufen, um sie zu quälen, zu missbrauchen und umzubringen. Doch auch als Cloe nicht wieder auftaucht, teilt sich Gregor nicht seiner Freundin Charlotte und der Polizei mit. Er will persönlich mit den Entführern abrechnen – und endlich erfahren, was aus seiner Schwester geworden ist.

„Zwei Jährchen erst ist es her, schon macht sie uns wütend, Deine Schwester. Wild ist sie geworden, frech. Sie wartet am 17. Juli in der Wallfahrtskirche St. Maria und Ulrich in Oberschongau. Holst Du sie um 16 Uhr ab?“

Locken ihn die Täter wie schon so oft auf eine falsche Fährte oder wird Gregor seine Schwester und Cloe doch noch lebend wiedersehen?

Der Thriller ist aus verschiedenen Perspektiven geschrieben, aus der Sicht Gregors, der Opfer, der Täter und des Mannes, der hinter dem Kinderhandel steckt: „Der Junge, den es nicht gibt“, und der heute ein alter Mann ist.

Der Autor Sean Berger ist 1969 in Irland geboren, arbeitete als Englischlehrer in Berlin und Luzern und als Surflehrer in Durban. „Stirb Schwesterchen stirb“ ist sein erster Thriller.

Achtung: dieser Thriller beschreibt detailliert brutale Szenen und ist nichts für schwache Nerven. Thriller-Fans werden das spannende und sprachlich faszinierende Buch, in dem Grausamkeiten fast subtil beschreiben werden, nicht wieder aus der Hand legen können.

Sean Berger: „Stirb Schwesterchen stirb“ ist am 7. November 2014 im Aufbau Verlag erschienen. Hardcover, 368 Seiten, 18,95 Euro AF