Aug‘ um Aug‘, Herz um Herz

Buchtipp

„Brook packte Mattiesen am Revers und schlug seinen Kopf mehrmals auf die Tischplatte, bis Blut floss und der Unsympath als Häufchen Elend vor ihm hockte und seine kaputte Nase hielt. Natürlich nur in Brooks Phantasie.
In Wirklichkeit atmete er tief ein und aus und sagte dann, so leise, dass es, wie er hoffte, nur sein Gegenüber vernahm: ‚Hören Sie mal zu. Ich sage Ihnen das nur einmal. Ich scheiße auf Ihren Informantenschutz. Ein Mensch ist brutal ermordet worden.‘“
Der Chefarzt eines Hamburger Krankenhauses wird vermisst. Dann tauchen Päckchen im Krankenhaus auf; ihr Inhalt: menschliche Organe. Vom vermissten Arzt fehlt weiterhin jede Spur. Wem gehören die Organe? Wer hat sie entnommen? Und warum? Fakt ist: nicht nur das erste Organ, ein Auge, wurde einem Lebenden entfernt.
Brook und sein Team, bestehend aus seinem langjährigen Gefährten Hellkamp und dem ihm unsympathischen Lejeune, stehen vor einem Rätsel.
Nicht einfacher macht es die Lage, dass Brooks neue Freundin, eine junge, gutaussehende Kollegin, auf einem Lehrgang ist und ihm nicht zur Seite stehen kann. Im Gegenteil: Brook, der in einer Midlifekrise steckt, kann es nicht verkraften, dass seine Angebetete womöglich mit interessanten Männern unterwegs ist, die, nicht wie er, mit Gewichtsproblemen und Abnutzungserscheinungen zu kämpfen haben.
Und dann ist da noch der schleimige Lejeune, der ihm auf’s Auge gedrückt wurde und anscheinend zu nichts zu gebrauchen ist. Dass ihn die Spur ausgerechnet zusammen mit Lejeune nach Bulgarien führt, ahnt er natürlich nicht. Brook ist grummelig, bärbeißig, aber vor allem auch menschlich mit seinen Problemen, mit denen wohl jeder einmal zu kämpfen hat.
„Wenn er tot wäre, müsste er nicht mehr zur Arbeit. Dann müsste er keine Verantwortung mehr übernehmen. Dann würde ihn niemand mehr mit dummen Fragen belästigen und ihm die Zeit stehlen. Dann müsste er sich nicht mehr mit Polizeihauptkommissar Pöhlmann herumärgern. Und dann käme er vor allem nicht mehr in solche Situationen wie diese hier.“
Wie schon der Vorgängerroman „Brook und der Skorpion“ ist „Brook unter Räubern“ ein spannender Krimi, den man nicht wieder aus der Hand legen kann. Der Autor führt den Leser geschickt auf falsche Fährten. Gruselig sind vor allem die eingeschobenen Zwischenkapitel, die aus der Sicht des „Organspenders“ geschrieben sind, der, eingesperrt und betäubt in einen dunklen Kellerraum, zu verstehen versucht, was gerade mit ihm geschieht.
Cornelius Hartz: „Brook unter Räubern“, Broschur, ist am 23. Juli 2014 im Emons Verlag erschienen. 240 Seiten, 9,90 Euro