Vor Ort im Gespräch: Frank Horch

BU: Frank Horch auf dem Kaiserkai in der HafenCity (Foto: MB)     
BU: Frank Horch auf dem Kaiserkai in der HafenCity (Foto: MB)

Verkehr und Hafen, Themen, die Hamburg auch im neuen Jahr begleiten werden

 Die HafenCity Zeitung nahm das Jahresende zum Anlass, um mit Frank Horch, dem Hamburger Senator für Verkehr, Wirtschaft und Innovation, über den Verkehr an der Elbphilharmonie und den Hafen zu sprechen.

Herr Senator, beginnen wir mit der Elbphilharmonie. Das erwartete Chaos ist ausgeblieben, rund um die Plaza geht es verhältnismäßig zivil zu. Wird das auch mit dem Beginn des Konzertbetriebes so bleiben?

Ich bin optimistisch. Unsere Erfahrung, viele Gespräche – und die Simulationen zeigen, dass es auch nach der eigentlichen Eröffnung zu keinen größeren Problemen kommen sollte. Veranstaltungen in der Elbphilharmonie sind keine Massenveranstaltungen. Natürlich kann es auch einmal zu kurzzeitigen Engpässen kommen, aber Konzerte in der Elbphilharmonie sind keine Massenveranstaltungen. Wenn Sie sich jetzt die Situation auf der Plaza ansehen, die ja auch eine hohe Attraktivität hat, sehen Sie, dass die Dinge einigermaßen laufen. Ich sage bewusst einigermaßen, da die exponierte Lage am Wasser unter verkehrlichen Aspekten nicht einfach ist. Die Erneuerung und Verbreiterung der Mahatma-Gandhi-Brücke ist eine wichtige Maßnahme, durch die wir einen Flaschenhals aufgeweitet haben.

Die breiten Fußwege helfen dabei ganz besonders – die Leute wollen ja auch stehenbleiben und fotografieren. Natürlich beobachten wir die Situation jetzt schon bei allen Probeveranstaltungen und werden in den ersten Wochen sicher noch einigen Nachsteuerungsbedarf haben.

Was mich derzeit mehr beschäftigt, ist die Situation der Lieferverkehre, hier entstehen mehr Behinderungen als direkt durch die Besucher der Elbphilharmonie verursacht werden.

 

Nun kann man ja dieser Tage das erste Mal wartende Taxis vor der Elbphilharmonie sehen, im Moment wahrscheinlich mehr auf Hotelgäste wartend. Wenn wir das richtig verstanden haben, werden bei den Konzerten die Taxis auf der Brücke und am Sandtorkai in Warteposition stehen?

Ja, so ist es geplant und nach Aufnahme der Gäste werden die Taxis auf dem Wendehammer wenden und den Platz über die Brücke wieder verlassen. Wir werden natürlich gerade am Anfang vermehrt mit Ordnern und Polizeipräsenz dafür sorgen, dass der Prozess reibungslos läuft. Sollten sich dabei Schwierigkeiten ergeben, justieren wir natürlich nach. Aber eigentlich erwarten wir, dass es funktioniert. Wir haben uns die Situation vor der Staatsoper angesehen – auch keine einfache Lage in Bezug auf Taxen und Individualverkehr – und haben dort festgestellt, dass es auch funktioniert.

 

Es scheint aber eine zwangsläufige Folge zu sein, wenn Taxen die Brücke als Wartezone benutzen, dass diese nicht geöffnet werden kann. Man hört von einer Sperrung der Brücke für den Schiffsverkehr ab 17 Uhr. Für die Traditionsschiffe und den Hafen ist das natürlich eine starke Einschränkung.

Die Brücke erschließt die Elbphilharmonie für alle Verkehrsteilnehmer, nicht nur für Taxen. Während die Konzertbesucher anreisen, muss die Brücke deshalb geschlossen bleiben. Natürlich hätten die Traditionsschiffe gerne mehr Freiheiten, aber das Privileg, direkt an einem der touristisch attraktivsten Punkte Europas zu liegen, bringt auch Einschränkungen mit sich. Diese Einschränkungen betreffen nur wenige Schiffe, die sich rechtzeitig vor die Brücke oder in den City-Hafen legen können.

Ob eine 17-Uhr-Regelung die endgültige Antwort sein kann, muss sich im weiteren Prozess zeigen. Selbstverständlich soll der Traditionsschiffhafen auch in seiner Bedeutung und Funktionsfähigkeit erhalten bleiben. Wir werden uns aber auch noch mit den Schiffseignern in Verbindung setzen, um zu einer einvernehmlichen Lösung zu kommen. Dabei muss auch die Möglichkeit diskutiert werden, während einer Vorstellung die Brücke zu öffnen, dazu setzen wir uns noch mit allen beteiligten Stellen zusammen.

 

Ist der Ausbau des Grasbrookhafens eine mögliche Alternative?

Für den Grasbrookhafen gibt es im Moment unterschiedliche Überlegungen. Eine Marina sehe ich dort derzeitig nicht, aber ich kann mir den Grasbrookhafen gut als Mehrzweckhafen vorstellen, der dann zum Beispiel auch unsere bestehenden Probleme mit der hanseboot als Messehafen lösen könnte. Die Messe bereitet uns zurzeit große Sorgen, weil viele große Hersteller absagen, da ihnen der Landtransport ihrer Schiffe zu den Messehallen zu aufwendig und teuer ist. Da könnte der Grasbrookhafen noch eine Rolle spielen. Wir sind da im Gespräch mit Experten und vielen Stellen, da wir dort einen bisherigen Nachteil durch eine neuartige Open-Water-Messe in einen Vorteil ummünzen könnten.

 

So ein Messehafen wäre dann ja ein weiterer Baustein für den Hafen als Unterhaltungsfaktor, womit wir zu einer ganz anderen Frage kommen: Hat der Hamburger Hafen als Wirtschaftshafen noch eine Zukunft?

Ja, der Hafen ist nicht nur Identitätsstifter für Hamburg und die Touristen, der Hafen ist die Grundlage internationalen Handels und ein nicht zu unterschätzender wichtiger Wirtschaftsfaktor in Hamburg. Der Hafen ist Jobmotor für 260.000 Menschen. Es gibt keinen anderen Hafen, in dem die Stadt, Zulieferer, Logistik und Services so eng verzahnt einen einmaligen Universalhafen abbilden. Global gesehen hat sich vieles geändert, auf das wir keinen Einfluss haben. Nehmen wir das Beispiel Brasilien.

Noch vor wenigen Jahren war das Land einer der größten Exporteure von Waren weltweit, nun liegt die Wirtschaft darnieder. Oder China: Lange Zeit galt dort die Devise: Billigwaren produziert, ab in den Container und die Märkte geflutet. Eine unnatürliche Containerschwemme war die Folge und Hamburg hat geschickt davon profitiert. Doch diese Zeiten sind nun vorbei, der Trend geht zurück zu Qualität und diese Qualität versuchen wir auch in unseren Hafendiensten abzubilden und zusätzlich durch die Hinterlandverkehre zu diversifizieren. Auch die Westerweiterung gehört zu diesem Konzept denn die Schiffe werden größer und größer. Die Fahrrinnenanpassung ist dabei natürlich von großer Bedeutung.

Ja, auch heute kommen große Schiffe mit bis zu 20.000 TEU bis Hamburg, aber um den Preis, dass vorher die Ladung zum Teil in einem anderen Hafen gelöscht werden muss. Bei schwierigen Wetterlagen wird schon ab Stade Sandschlepper-Begleitung notwendig –
alles Kostenfaktoren für die Reeder, die die Wettbewerbsfähigkeit Hamburgs beeinträchtigen. Für mich ist es dazu eminent wichtig, beide Seiten des Hafens zu entwickeln. Den Entertainmenthafen, aber da, wo er hingehört, und den arbeitenden Hafen mit all seinen Aspekten, in einmaliger Nähe zur Stadt, mit Blohm + Voss und Sietas, mit Containerriesen vor Oevelgönne, mit modernen Produktions- und Logistikbetrieben, die an der Kaikante arbeiten können. Gerade die Industrie ist das Herzstück eines modernen Wirtschaftsstandortes, und diese enge Verzahnung unterscheidet Hamburg von vielen anderen Standorten nicht nur in Deutschland.

Wer sehen will, wie eine Abkehr von Produktionsstandorten aussieht, muss nur nach England blicken. Bis auf London gibt es dort nichts mehr. Deswegen kämpfe ich auch für Sasol und Steinweg, für Aurubis und ArcelorMittal, diese Mischung direkt im Hafen ist es, die Hamburg besonders macht und die nach europäischen Richtlinien neu angelegt in dieser Nähe zu Wohngebieten gar nicht mehr zulässig wäre. Sehen sie das Beispiel Grimaldi am O’Swaldkai, fast das hinterste Ende des Hafens.

Mit 250 Anläufen jährlich ist es eines der bestfrequentierten Terminals im Hafen, direkt gegenüber der HafenCity, und wir versuchen diese Betriebe, genau wie die Betriebe des mittleren Freihafens, zu halten. Auch die Westerweiterung mit den Umstrukturierungen dort, die Erweiterung des Wendebeckens ist eminent wichtig, Schiffe mit 400 Metern Länge müssen sicher wenden können, an diesen Maßnahmen führt kein Weg vorbei.

Dazu gleich eine Nachfrage: Es sind ja gleich eine ganze Reihe von Klagen gegen diese Erweiterung anhängig …

Wir sind da natürlich in heutigen Zeiten darauf vorbereitet und tun unser Bestes, um Lärm und Immissionsschutz gleich in die Planungen einfließen zu lassen. Neue Technologien bei Brücken und rund um den Hafen machen es uns möglich, den heute gar nicht mehr zu vermeidenden Klagen gelassen entgegenzusehen.

 

Bei den Klagen sind wir natürlich wieder bei der Fahrrinnenanpassung …

Wir sind da optimistisch. Wir haben inzwischen wirklich an alles gedacht, Gutachten über Gutachten erstellen lassen und sind nach menschlichem Ermessen sicher, dass unserem Antrag stattgegeben wird. Sollte unser Antrag wider Erwarten doch scheitern, würde das unabsehbare Konsequenzen für die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland haben. Wir wissen, wo jeder Vogel sein Nest hat, wie die Deiche gesichert werden und vieles mehr. Mehr kann man nicht tun. Der Hafen ist das wirtschaftliche Fundament der Stadt und all diesen Luxus wie eine funktionierende Infrastruktur, Gerichte und Verbandsarbeit auf beiden Seiten können wir uns nur leisten, weil dieses Fundament existiert.

Zurück zum touristischen Aspekt des Hafens und der Kreuzfahrt: Was erwartet uns?

Wenn man mal den ökologischen Aspekt herausnimmt, ich weiß, dass Sie als Anwohner daran besonders interessiert sind: Natürlich befassen wir uns mit dem Thema Landstrom.

So haben wir zusammen mit dem Bund eine Landstromanlage in Altona errichtet. Und das mit dem Überseequartier errichtete Kreuzfahrtterminal wird ebenfalls mit Landstrom betrieben werden. Die Lösung der Probleme mit den Abgasen der Schiffe liegt aber nicht nur an Land, sondern auf den Schiffen selbst.

Bevor all die Anpassungen an die Anschlüsse selbst zum Tragen kommen und allseits akzeptiert werden, werden wir erleben, dass der technische Fortschritt auf den Schiffen selbst und ihre Antriebe viel größere Effekte haben werden als die Landstromeinrichtungen in Altona oder die LNG- Barge. Wir haben alles getan, um ein passendes Set anzubieten, aber ich bin mir sicher, dass die Zukunft anders aussehen wird.

 

Wenn wir jetzt zum Schluss noch mal an den Anfang des Gespräches zurückkehren – die Elbphilharmonie, haben Sie sie schon besucht?

Natürlich, ich habe nahezu jede Phase auch begleitet, nur in einem Konzert bin ich natürlich noch nicht gewesen. Aber es ist schon bemerkenswert.

Noch vor Kurzem wurde ich überall in Deutschland bei Treffen fast als erstes immer auf die Probleme mit dem Projekt angesprochen, jetzt ist der Schalter radikal umgelegt worden.

Jetzt fragt jeder, wann er denn zu Besuch kommen könne und natürlich am liebsten zum Eröffnungskonzert. Ein Wandel, der auch der praktischen Lösungskompetenz des jetzigen Senates zuzusprechen ist, ähnlich wie jetzt beim Bau des Autobahndeckels, der dank sorgfältiger Planung erfreulich reibungslos abläuft und inzwischen regelmäßig Besuch von Delegationen aus anderen Bundesländern erhält, die sich bei uns abschauen wollen, wie man so etwas erfolgreich plant.

 

Herr Senator, wir danken für das Gespräch.

 

Das Gespräch führten Edda Teneyken und Michael Baden.