Singen macht glücklich!

Chorleiter Niels Schröder in der Speicherstadt (Foto: AF)
Chorleiter Niels Schröder in der Speicherstadt (Foto: AF)

Hamburg Singt – der Chor für Alle

Dienstag, 19.00 Uhr. Das Licht geht aus, das Gemurmel verstummt. 500 Menschen schauen gebannt auf die Bühne der Freien Evangelischen Gemeinde an der Stadthausbrücke. Dann springt Chorleiter Niels Schröder unter Beifall auf die Bühne und begrüßt seinen Chor. Hamburg Singt – und alle dürfen mitmachen.

Dienstag, 14.00 Uhr. „Was für ein Hund“, sagt die alte Dame und deutet mit dem Zeigefinger auf Niels Schröder, den ich vor dem Café Schönes Leben in der Speicherstadt zum Interview treffe. Gemeint ist, das wird nach der ersten Irritation klar, der große Steinhund hinter Niels, der vor dem Eingang des Cafés thront. Kein Problem für den charismatischen und gutgelaunten Chorleiter von Hamburgs wohl einzigem Chor, bei dem jeder, ob talentiert oder talentfrei, mitsingen darf.

Jeden Dienstag um 19.00 Uhr findet die Chorprobe in der FEG statt. Schon bei der Premiere am 26. Februar 2013 sind 600 Sänger und Sängerinnen dem Aufruf über Facebook und E-Mail gefolgt, um aktuelle Hits bis hin zu Klassikern der Rock/Pop-Geschichte zusammen zu singen. Die über einjährige Planung zur Realisierung des Projektes, einen Chor für Alle, ins Leben zu rufen, hat sich gelohnt.  Testläufe hat es in Niels‘ Heimatstadt Elmshorn gegeben, das Feedback war positiv – und Hamburg Singt konnte in Angriff genommen werden.

Bei der Chorprobe (Fotos: Maria Heggemann Photography)
Bei der Chorprobe (Fotos: Maria Heggemann Photography)

Auf die Idee zu Hamburg Singt kam der studierte Pianist und Chorleiter, der seit seiner Schulzeit eigene Chöre leitet und außerdem Dozent für Jazz-, Pop- und Gospelchöre ist, durch eine Freundin, die in Schweden lebt. Sie erzählte ihm von einem großen Chor, den sie besuche und zu dem alle hingehen könnten, egal ob man singen könne oder nicht. „Ich weiß um den Wert des Singens“, sagt Niels, „Singen steckt in uns“. In Deutschland gebe es kein Alltagssingen mehr; aber das hat sich nun, zumindest in Hamburg, geändert. Hier werde jetzt aktiv Kultur betrieben, jeder der Spaß am Singen hat, sei willkommen. Auch auf die Song-Auswahl kann jeder Einfluß nehmen: am Eingang des Saales, der bis zu maximal 800 Leute fasst, steht eine Wunschbox, in die man seine Titelvorschläge einwerfen kann. 100 bis 150 Zettel mit Wünschen türmen sich zuhause bei Niels Schröder, alle kategorisiert. Wenn ein Titel in das Repertoire aufgenommen wird, prüft er die Tonlage, ändert um, überlegt sich eine Zweit- und eine Drittstimme. Dies geht perfekt mit dem Saal in der Freien Evangelischen Gemeinde einher, der zudem zentral in Hamburg liegt und von der HafenCity fußläufig zu erreichen ist: links sitzen die hohen Stimmen, rechts die tiefen und in der Mitte die Hauptstimmen. Auswählen, zu welcher Stimme er sich dazugehörig fühlt, tut jeder Sänger selbst. Hier muß nicht vorgesungen werden. Hier ist jeder Teil des Ganzen. Auch das ermutigt die Laien: nicht vorsingen zu müssen, nicht allein singen zu müssen. Hier geht es um den Spaß. Und darum, den Menschen zu zeigen, das Singen glücklich macht. Für Niels Schröder, der die Menschen mit seiner Begeisterungsfähigkeit mitreißt, ist dies auch nicht einfach ein Beruf, sondern eine Berufung. 20 Leute sind im Team von Hamburg Singt, dazu gehört eine Band, in der auch sein Bruder spielt, Solisten, Techniker, Catering, Kasse. Das Corporate Design wurde selbst entwickelt, von der Eintrittskarte bis hin zum Webauftritt. Auch eine von Niels komponierte Hamburg Singt-Hymne gibt es, die immer als erster Song am Dienstag gesungen wird: „Wenn Hamburg singt, der Chor erklingt, die Show beginnt…“  

Aufsehen erregte Hamburg Singt – der Chor für Alle, durch einen flashmob, der eigentlich gar keiner war. An einem Samstag habe man sich um 15.00 Uhr in der Europapassage verabredet, mit Trommlern und Gitarristen. Um 15.00 Uhr wussten allerdings schon sämtliche Menschen, dass in der Europapassage gesungen werden sollte, die Sänger standen Spalier, als Niels eintraf. 1.600 (!) Sänger und Sängerinnen bestritten in der proppevollen Europapassage in nur vier Minuten das wohl kürzeste Konzert, wenn auch keinen richtigen flashmob.

Hamburg Singt – ein tolles Konzept, bei dem alle Menschen mitmachen können und auf beeindruckende Weise zeigt, das Singen glücklich macht.

Hamburg Singt findet jeden Dienstag in der FEG Holstenwall, Michaelispassage 1, statt. Eintritt: 8,-

Euro. Mehr Infos gibt es unter www.hamburg-singt.de und auf Facebook.

                                                                                                  

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Fotos:

Bilder von Chorleiter Niels Schröder in der Speicherstadt, Fotovermerk: AF

 

Die anderen Bilder:

BU: bei der Chorprobe. Fotocredit: Maria Heggemann Photography