Die Insel hilft

Ein Gruppenfoto mit allen Helfern
Ein Gruppenfoto mit allen Helfern

Bürger aus Wilhelmsburg zeigen Herz und Tatkraft – sie begrüßen und unterstützen die Flüchtlinge

Kurz nachdem bekannt wurde, dass am Karl-Arnold-Ring und in der Dratelnstraße in Wilhelmsburg kurzfristig Einrichtungen der Erstaufnahme für Flüchtlinge eröffnet werden sollen, krempelten viele Bewohner der Elbinsel die Ärmel hoch. Und so startete Ipek Baran, eine junge Deutsche mit kurdischem Hintergrund, eine Aktion: Via Facebook machte sie einen Aufruf und setzte damit eine unglaubliche Hilfsaktion in Bewegung.

Während einige politische Parteien noch darüber stritten, ob eine Flüchtlingsunterbringung nach sogenanntem „Polizeirecht“, § 3 des Hamburger Gesetzes zum Schutz der öffentlichen Sicherheit und Ordnung (SOG), die angemessene Reaktion des Senats auf die katastrophalen Zustände in der Erstaufnahme sei, die zuständige Sozialbehörde erschreckend unvorbereitet erschien und auf der Suche nach weiteren Standorten war, entstand im Stadtteil Kirchdorf-Süd eine Initiative von Menschen, die nicht nur reden, sondern konkret helfen wollten.

Nach den ersten Kontakten im sozialen Netzwerk kamen 70 Personen zu einem ersten Treffen zusammen. Sehr schnell war klar, dass Kleidung und Schuhe für die Menschen, die ihr Hab und Gut bei der Flucht aus ihren Heimatländern verloren haben, vorrangig besorgt werden mussten, zumal der Hamburger Winter vor der Tür stand.

Mit diesem Erfolg haben selbst die Initiatoren nicht gerechnet: Als die Annahmestelle eröffnet wurde, standen unzählige Spender mit ihren Kartons bereits vor der Tür. Die dann folgenden Mengen konnten nur mit Hilfe vieler Freiwilliger, zweier Wohnungsbaugesellschaften, die Räume zur Verfügung stellten, und mit dem Organisationstalent einiger Helfer bewältigt werden. Winterkleidung und feste Schuhe, Spielzeug, Erstausstattungen für Neugeborene, Kinderwagen und Bücher stapeln sich in den Räumen von „Die Insel hilft“. Spenden, die direkt an die Flüchtlinge aus Eritrea, Syrien, Irak, Iran sowie aus Afghanistan und aus den Balkanländern, wie Albanien und Bosnien-Herzegowina verteilt werden.

Bei den vielen Gesprächen bekamen die Helfer schnell mit, woran es ihren neuen Nachbarn noch mangelte: Schnell Deutsch zu lernen und mehr Platz für ihre spielenden Kinder zu haben, stand auf der Wunschliste der Bewohner der Erstaufnahme im Vordergrund. Es ist überflüssig, zu berichten, dass die freiwilligen Helfer auch hierfür etwas auf die Beine stellten.

„Bei uns bringt sich jeder mit seinen Stärken ein, je nachdem, wie viel er Zeit hat“, erzählt Kesbana Klein. Die Kommunalpolitikerin und Mitinitiatorin von „Die Insel hilft“ wohnt selbst in Kirchdorf-Süd. „Wir sind bei unserer Arbeit politisch neutral. Hier geht es um die praktische Hilfe vor Ort und das verbindet die Helfer“, bestätigt sie. Und so steht die punkige Studentin neben der Rentnerin und die Frau mit dem Kopftuch neben dem Akademiker am Sortiertisch. Gemeinsam sorgen sie dafür, dass sich die Flüchtlinge im Karl-Arnold-Ring und in der Dratelnstraße in Hamburg willkommen fühlen. Zur zeitlichen Dimension sei hinzugefügt, dass zwischen dem ersten Aufruf von Ipek Baran und der Veröffentlichung dieses Berichts noch nicht einmal zwei Monate liegen. CF

 

Wenn auch Sie helfen möchten: „Die Insel hilft“, Telefon: 040.800 070 10 oder: mail@inselhilfe.org. Unter www.hafencitynews.de finden Sie die aktuelle Liste für gezielte Sachspenden.

Liste fur gezielte Spenden 12-11-14